Von Saas Fee hinüber nach Zermatt - da klingeln jedem Skifahrer die Ohren.
Wer die legendäre "Königin der Skitouren" einmal erleben möchte, sollte sich früh morgens auf Tour begeben - und erlebt dafür ein wahres Glücksgefühl.
"Lass uns schon früh mit dem Personal der Saas-Fee-Seilbahnen hochfahren“, schlägt Bergführer Lars Hofer vor.
Es ist ungewöhnlich warm an diesem April-Wochenende. Im Nachbartal hat es tags zuvor drei Tote bei einer Skitour gegeben. Keine optimalen Bedingungen also für die „Königin der Skitouren“, wie die legendäre „Haute Route“ auch genannt wird. Von Saas Fee hinüber nach Zermatt – da klingeln jedem Skifahrer die Ohren. Und jedem Bergsteiger ebenso, so viele 4000er sind um diese beiden mondänen Bergdörfer versammelt.
Auf Fellen, also mit Tourenskiern, soll es an diesem Tag über den himmelhohen Adlerpass gehen. Doch die Hochtour beginnt ganz profan im Gedränge zwischen Pistenwärtern und Rettungsdienstlern, Liftbetreibern und Hüttenwirten aus Saas Fee. Es ist kurz nach 7 Uhr, doch die Stimmung unter den Einheimischen, von denen nur Bergführer Lars Hofer einen Touristen eingeschleust hat, könnte kaum besser sein. Der wolkenlose Himmel verheißt einen makellosen Tag.
Der Schnee ist manchmal wie eine Cremeschnitte
Die Gondeltür öffnet auf 3000 Höhenmetern und lässt vergessen, dass im Tal 24 Grad angesagt sind. Hier oben sind es minus 6 Grad. Perfekte Bedingungen, der Frühling ist die beste Zeit für eine Skitour entlang der Haute Route. Blauer Himmel, kalte Luft und viel Schnee. Jetzt heißt es: Felle unter die Skier kleben – das soll ein Zurückrutschen beim Aufstieg verhindern. „Der Schnee ist jetzt wie eine Cremeschnitte“, erklärt Lars. Das bedeutet: Die Lawinengefahr steigt – vor allem in der zu erwartenden Mittagshitze. Also macht Lars ordentlich Tempo. „Geschwindigkeit gleich Sicherheit.“
Die Daunenjacke kann getrost im Rucksack bleiben. Vor uns steigt eine Gruppe Tourengeher auf, die von der Britanniahütte oberhalb von Saas Fee aufgebrochen ist. Die kleine Karawane erklimmt bereits den Allalingletscher, der gnädigerweise erst oben etwas steiler wird. Bis dahin bleibt viel Zeit, um die Gedanken fliegen zu lassen. „Bei den Touren kann ich gut Probleme lösen und Projekte planen“, schwärmt Lars. Ein Problem, das die Schweizer umtreibt, ist das umstrittene Heli-Skiing.
Wintertourismus ist für Bergdörfer unverzichtbar
Der Schweizer Alpenclub (SAC) hat sich gegen neue Landeplätze in Gipfelregionen ausgesprochen, doch für die Bergdörfer ist der Wintertourismus unverzichtbar, um zu überleben. Italien gibt gerade mit elf neuen Heli-Plätzen südlich des Monte Rosa-Massivs die Richtung vor. „Die haben den besten Winter seit langer Zeit gehabt“, weiß der 30-Jährige. Nur zu einem Prozent der Fliegerei würden zahlungskräftige Ski-Touristen auf die Berge geflogen. Der SAC sei unglaubwürdig, wenn er für seine neue Monte Rosa-Hütte 4000 Heli-Flüge in Kauf nehme und selbst das Duschwasser für seine angeblich so ökologische Hütte herauffliegen ließe, echauffiert sich Lars.
Der Schnee knirscht herrlich unter den Brettern, als es über die 3500-Meter-Marke geht. „Ein schöner Beruf...“, sagt der Tourist. Aber es gibt Schattenseiten. Kein festes Gehalt, Verletzungsrisiko und womöglich problematische Kunden. Etwa ein Besserwisser, der sich nicht an vorgegebene, aber lebenswichtige Regeln hält, bis der Bergführer die Tour abbrechen muss. Ein Risiko sind ebenfalls Prahlhänse, die sich selbst überschätzen – und dadurch andere mit in Gefahr bringen.
Erst kurz vor dem 3800 Meter hohen Adlerpass wird es steiler. Lars empfiehlt, die Steighilfe der Tourenbindung auszuklappen, die ein Absinken der Ferse bis auf das Brett verhindert. Guter Tipp!
„Du bist ja fit wie ein Turnschuh“, ermuntert der Bergführer nach zweieinhalb Stunden auf den letzten Metern nach oben. Die andere Tourengruppe zweigt ab und steuert den Gipfel des Strahlhorns (4190 m) an. Für das Duo ist der Adlerpass zum Greifen nah. Schon zeigt sich die berühmteste Landmarke – das Matterhorn. Jetzt fliegt auch die Seele.
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Schwindelfrei: Walliser Blütenpracht auf 4500 Metern
Diese Pflanze kennt keine Höhenangst und ist absolut hochgebirgstauglich: Ein Basler Forscher hat im Wallis ob Saas Fee auf über 4500 Metern Exemplare des Steinbrech gefunden. Sie wachsen am vermutlich kältesten Standort der Welt und sind die bisher höchstgelegenen jemals dokumentierten Blüten Europas.
Am Fundort auf 4505 Metern Höhe unter dem Dom der Mischabel-Gruppe liegt nur gerade während zwei Monaten im Jahr kein Schnee. Gemäss Messungen von Professor Christian Körner von der Uni Basel frieren die Pflanzen auch dann jede Nacht ein, während es tagsüber bei Sonnenschein immerhin bis 18 Grad warm werden kann.Pflegeleichter Hochgebirgspionier. Die ausserordentlich kälteresistente Pflanze heisst «Gegenblättriger Steinbrech» (Saxifraga oppositifolia) , wie die Universität Basel bekannt gab. Diese Pionierpflanze stellt wahrlich keine hohen Anforderungen an ihre Umgebung: Sie steckt auch extremen Frost bis -40°C weg, und ihr reichen zum Überleben schon 600 Stunden im Jahr mit Temperaturen über 3°C. Die Flora ist dort oben zudem nicht allein. Botaniker Körner, dessen Dokumentation in der Zeitschrift «Alpine Botany» publiziert wurde, hat im erstaunlich grossen, wohl mehrere Jahrzehnte alten Steinbrech-Blütenkissen auch tierisches Leben gefunden: Zwischen den abgestorbenen Blättern fanden sich Springschwänze, Verwandte der so genannten Gletscherflöhe.
Wind als Entwicklungshelfer
Die Forscher nehmen an, dass der Rekord-Steinbrech am Dom kaum selber keimfähige Samen ausbilden kann. Wahrscheinlich habe der Wind Samen in diese Höhen getragen.Der Dom bricht mit dem neuen Fund seinen eigenen Rekord: Schon 1978 war rund 55 Höhenmeter tiefer eine andere Steinbrech-Art entdeckt worden.Im Himalaya gibt es zwar Blütenpflanzen bis auf 6300 Meter Höhe, doch ist es dort laut Körners Studie deutlich wärmer als am Dom im Wallis.
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Wie der Klimawandel bei der Energiewende helfen könnte
Statt Atomstrom künftig Energie aus Gletscher- Schmelzwasserseen: Diese Option untersucht derzeit ein Team um den Glaziologen Wilfried Haeberli vom Geografischen Institut der Universität Zürich im Rahmen eines nationalen Forschungsprogramms. Die Forscher rechnen damit, dass im Alpenraum mit der in schnellem Tempo ablaufenden Gletscherschmelze eine ganze Reihe von neuen und grossen Seen entsteht. Im Nationalen Forschungsprogramm NFP 61 werden unter anderem auch die positiven Aspekte wie die Nutzung für den Tourismus und die Energiegewinnung untersucht.
«Die neuen Seen können in der künftigen Energieversorgung eine wichtige Rolle spielen; sie sind für die Speicherung des dringend benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien sehr attraktiv», zitiert die «Sonntagszeitung» den Glaziologen Haeberli. Dank der neu entstehenden Seen könne mehr Wasser gestaut und entsprechend mehr Energie produziert werden, sagt ETH-Professor Anton Schleiss gegenüber der «Sonntagszeitung». Gleichzeitig könnten mehr Pumpspeicherwerke gebaut werden, um Strom zu speichern. Der ETH-Forscher hat auch die wirtschaftlichen Aspekte neuer Pumpspeicherwerke untersucht. Demnach seien diese bereits bei heutigen Strompreisen «eine interessante Investition».
Die Gefahr eines alpinen Tsunamis
Diese Seen stellten aber auch eine ernstzunehmende Gefahr dar, weil die Stabilität ihrer Umgebung abnehme, heisst es auf der Website dieser Studie, welche die «Sonntagszeitung» publik gemacht hat. Durch den Rückgang von Gletschern und Permafrost drohten Felstürze in die neuen Seen grosse Flutwellen auszulösen, die Täler überschwemmen könnten. Es sei eine wissenschaftliche, wirtschaftliche und politische Herausforderung, einen Umgang mit dieser Kombination aus Nutzungsmöglichkeiten und Gefahren zu finden.
In der Studie werden wasserbauliche Aspekte wie die Staukapazität und das Wasserkraftpotenzial der Seen, Schutzmassnahmen gegen Hochwasser, die Auswirkungen auf die Geschiebemengen sowie ökologische Aspekte untersucht. Auch rechtliche Fragen zum Eigentum, zu den Verantwortlichkeiten oder der Haftung werden geklärt.
«Wir gehen davon aus, dass bis 2050 die Hälfte der Gletscher von 2000 geschmolzen und dass bis Ende Jahrhundert fast alle Gletscher geschmolzen sind und viele neue Seen entstehen», erklärt Haeberli in einem Begleitvideo zur Studie. Diese neuen Seen seien interessant für Kraftwerke, die neue Konzessionen brauchen. Die Stromerzeuger müssten die Seen in ihre Strategien einbeziehen.
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Seilbahnen: Bilanzen
«Der Trend zu noch mehr grossen und zusammenhängenden Skigebieten wird weitergehen.»
Abgehängte Seilbahngondeln und eine verwaiste Schlittelbahn – im Bündner Ferienort Churwalden herrscht Totenstille. «Wegen Revisionsarbeiten sind alle Anlagen bis zur Sommersaison geschlossen», steht auf der Webseite der Bergbahn Pradaschier. Ob es überhaupt noch einen Sommer gibt, ist ungewiss. Der Betrieb ist in Geldnot und hat Nachlassstundung beantragt. Der schneearme Winter und der Totalausfall des Ostergeschäfts drückten auf den Umsatz und die ohnehin schon dünne Liquidität.
Pradaschier ist nicht allein. Diverse kleinere Seilbahnen kämpfen ums Überleben. In Feldis bei Rhäzüns beförderte die Anlage dieses Jahr wegen Schneemangels keinen einzigen Skifahrer und steht finanziell am Abgrund. In Tschiertschen dürfte die Sanierung der angeschlagenen Bergbahn nur dann klappen, wenn die grösseren Betriebe in Lenzerheide und Arosa einspringen. Ein entsprechender Vertrag sei in Vorbereitung, sagt Martin Weilenmann, Verwaltungsratspräsident der BergbahnenTschiertschen. Auch im Wallis gibt es Absturzkandidaten. Der Sessellift von Oberwald auf den Hungerberg im Obergoms steht schon seit zwei Jahren still. Genau wie die Lifte im Erner Galen gegenüber Fiesch. Ohne neue Investitionen in Millionenhöhe werden sie nie mehr in Betrieb genommen.
Zu starke Abhängigkeit vom Schnee
«Eine durchschnittliche Schweizer Bergbahn erzielt gegen 90 Prozent ihres Jahresumsatzes im Winter», sagt der Seilbahnspezialist und Unternehmensberater Riet Theus. Jüngstes Opfer dieser Abhängigkeit sind die Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Ein durch Schneemangel bedingtes Umsatzloch von einer Million Franken reichte, um die Anlage mitten in der Saison lahmzulegen. Das Gesuch um Nachlassstundung ist pendent.
Der frühere oder spätere Konkurs ist vielen dieser Bahnen sicher. Die Konsolidierung in der Schweizer Bergbahnbranche ist längst im Gang. Die Zahl der Seilbahnunternehmen ging in den letzten 20 Jahren von 673 (1991) auf 505 (2010) zurück. Die kleinen Skigebiete verfügen häufig nicht über die Finanzkraft, um ihre Anlagen technisch aufzurüsten oder die Hänge ausreichend künstlich zu beschneien. Damit können sie im Konkurrenzkampf um den anspruchsvollen Wintergast mit den grossen Skigebieten kaum mithalten. Da zudem die gesamten Verkehrserträge der Schweizer Seilbahnen wegen Wirtschaftskrise und Währungsproblemen seit drei Jahren stagnieren, verschärft sich die Situation für kleinere Bahnen umso mehr. «Der Trend zu noch mehr grossen und zusammenhängenden Skigebieten wird weitergehen», ist Theus überzeugt.
Zu kämpfen haben die kleineren Bergbahnen neben dem Schneerisiko auch mit hohen Investitionskosten. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Anlage beträgt 25 Jahre. Viele Schweizer Seilbahnen wurden in den «goldenen» 80er-Jahren gebaut, sodass ihnen jetzt ein grösserer Erneuerungsschub bevorsteht. Eine neue Sesselbahn kostet im Durchschnitt 8 bis 12 Millionen Franken. Für kleinere Betriebe entspricht dieser Betrag mehreren Jahresumsätzen und kann unmöglich aus den betrieblichen Mitteln finanziert werden. Auch die künstliche Beschneiung ist teuer und kostet pro Pistenkilometer und Wintersaison rund 1 Million Franken.
In vielen Destinationen müssen die Bergbahnen für diese Kosten allein aufkommen. Andere Gemeinden begehen den Fehler, dass sie als Mehrheitsaktionäre die lokale Bergbahn überfinanzieren. So geschehen in Tschiertschen, wo die finanziellen Probleme aufgrund der Ersetzung eines Skiliftes durch zwei Bergbahnen vor zehn Jahren erst ihren Lauf nahmen. «Das Projekt war viel zu ambitioniert und von vorherein nicht finanzierbar», sagt Martin Weilenmann.
Als Alternative setzen verschiedene Bahnen auf ausländische Investoren. In Savognin haben im letzten Jahr österreichische Geldgeber die Aktienmehrheit der lokalen Bergbahnen übernommen. Grund: Der Betrieb kann die notwendigen 40 Millionen Franken für wichtige Erneuerungen und Ausbauten nicht selber finanzieren. Doch der ausländische Geldsegen entpuppt sich häufig auch als Wunschtraum. Im Erner Galen kündigte die britische Beteiligungsfirma Summerleaze vor drei Jahren ein Neubauprojekt für 150 Millionen Franken mit neuen Liften, Hotels und Kinderparadies an, das bis heute ein Papiertiger geblieben ist. In Luft aufgelöst haben sich auch die fixfertigen Projekte diverser internationaler Geldgeber für die finanzielle Rettung und den Ausbau des Urner Skigebiets Winterhorn
Träumen mit ausländischen Investoren
Selbst renommierte Schweizer Wintersportdestinationen haben mit Investoren aus dem Ausland durchzogene Erfahrungen gemacht. Die französische Compagnie des Alpes beteiligte sich mit 40 Prozent an den Bergbahnen Saas Fee und je 20 Prozent an den Bergbahnen Verbier und Riederalp, um bereits nach kurzer Zeit wieder auszusteigen. Dem Vernehmen nach basierte der Sinneswandel auf einem kurzfristigen Liquiditätsbedarf der Mutter Caisse de Dépôt in Paris.
Ernstere Absichten scheint die schwedische Winterresort-Betriebsgesellschaft Skistar zu haben. Mit rund 140 Millionen Franken will sie im Auftrag des ägyptischen Feriendorfbauers Samih Sawiris die Skigebiete in Andermatt und Sedrun modernisieren, ausbauen und zu einer riesigen Arena verbinden. Skistar betreibt in Skandinavien bereits sechs grosse Skiresorts und will expandieren. «Wir sehen in Zentraleuropa ein grosses Wachstumspotenzial», so die Sprecherin Kerstin Liljebäck. Andermatt/Sedrun sei als Standort ideal erschlossen und für Wintersportler aus ganz Europa bestens erreichbar.
Grossfusionen zahlen sich aus
Der Trend zu grossen Arenen ist in der Schweiz unübersehbar, und zwar anhand der gesamthaften Verkehrserträge. In den letzten 20 Jahren verdoppelten sie sich von einer halben auf über eine Milliarde Franken. Treiber dieser Entwicklung sind Destinationen wie Davos/Klosters, Engadin/St. Moritz, Zermatt, Flims/Laax oder Gstaad-Saanenland, wo die lokalen Bergbahnen zu einer starken Transportgesellschaft fusioniert haben. Mit modernen Bahnen und einem boomenden Zweitwohnungsbau ziehen diese Orte immer mehr Gäste an. «In Graubünden sorgen die acht grössten von insgesamt knapp 50 Bergbahnunternehmen mittlerweile für 80 Prozent des gesamten Transportumsatzes», erläutert Marcus Gschwend, Geschäftsführer des Lokalverbandes Berg- bahnen Graubünden.
Dass trotz des schleichenden Gigantismus im Wintersportmarkt auch kleinere Gebiete künftig durchaus ihre Marktchancen haben, ist die Überzeugung der meisten Seilbahnexperten. «Wichtig ist, dass sie bestimmte Nischen besetzen und Schneesicherheit garantieren können», sagt Riet Theus. Als Beispiel nennt er die Bergbahnen Vals, die mit einem Jahresumsatz von knapp 1,5 Millionen Franken und regelmässigen Investitionen seit Jahren gute Erträge erwirtschaften.
Aus Andermatt und Sedrun soll eine zusammenhängende Skiarena werden – diesen Plan verfolgt die schwedische Firma Skistar, die als Partner in Samih Sawiris' Tourismusprojekt in Andermatt rund 140 Millionen Franken in Bau und Modernisierung von Liftanlagen investieren will.
Kommt das Projekt zustande, so wäre Andermatt-Sedrun die erste Skiregion in der Schweiz, die Touristen auf und neben der Piste mit einem allumfassenden Kombiangebot bedient. Die Zentralschweizer Skiarena würde nach dem gleichen «All-inclusive-Prinzip» aufgebaut, das Skistar auch in Schweden und Norwegen anwendet: Bergbahnen, Skischulen und Restaurants würden vom Unternehmen selbst betrieben und von Besuchern pauschal gebucht.
Philipp Boksberger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur, hält diese Strategie für Erfolg versprechend: «Der Trend im Wintersport geht klar in die Richtung von Pauschalangeboten.» Weil der Skisport in der Schweiz je länger, je weniger ein fester Kulturbestandteil sei, würden Touristen ihren Skiurlaub zunehmend als Paket über Reisebüros buchen. Auch sehr beliebt seien Pauschalangebote bei Touristen aus dem Ausland – also bei einer wichtigen Zielgruppe des geplanten Andermatter Skiresorts.
Unterschiedliche Erfahrungen in den Schweizer Bergen
Ausländische Bergbahnbetreiber in Schweizer Urlaubsorten: Diese Kombination gibt es nur selten. Denn die Schweizer Skidestinationen sind im Lauf der Zeit aus sich heraus gewachsen. Liftanlagen wurden etappenweise gebaut, Skischulen, Geschäfte, Restaurants und Hotels nach und nach eröffnet. Weil der Staat bei vielen Bergbahnen Miteigentümer ist, wird hierzulande etwas langsamer und mit Vorsicht geplant.
Am Beispiel der französischen Compagnie des Alpes zeigt sich, dass es Grossinvestoren in diesem Umfeld nicht immer leicht haben. Das Unternehmen im Besitz des Französischen Investementfonds HIG Capital France hatte sich im vergangenen Jahrzehnt an Bergbahnen in Verbier, Riederalp und Saas Fee beteiligt. Doch die Umstrukturierungspläne der französischen Aktionäre stiessen auf lokalen Widerstand. Bereits nach wenigen Jahren stiess Compagnie des Alpes ihre Anteile wieder ab.
Auch in Flims-Laax entstand in den letzten Jahren ein neues Tourismuskonzept. Hier ist mit der Weissen Arena AG ein Schweizer Unternehmen tätig, das gleichzeitig Bergbahnen, Schneesportschulen, Hotellerie- und Gastronomiebetriebe betreibt. Bei der Weissen Arena liess man sich bewusst vom schwedischen Resortmodell inspirieren, indem man den ehemaligen Unternehmenschef von Skistar, Thorvald Sverdrup, als Verwaltungsrat ins Unternehmen holte. Wie die Geschäftszahlen der letzten Jahre zeigen, hat sich die Neuausrichtung finanziell ausgezahlt.
Auch das Engagement von Skistar in Andermatt und Sedrun könnte sich finanziell lohnen, sagt Philipp Boksberger. Weil Skistar für das lokale Gewerbe eine potenzielle Bedrohung darstelle, sei es aber für das Unternehmen besonders wichtig, bestehende Sportzentren und Restaurationsbetriebe in seine Planung mit einzubeziehen. Boksberger glaubt, dass die Schweden dafür die richtigen Voraussetzungen mitbringen – denn auch die von Skistar betriebenen Resorts in Sälen, Are oder Vemdalen seien nicht einfach vom Reissbrett aus entstanden.
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Allalin Rennen
An diesem Wochenende fanden die legendären Allalin-Rennen zum 29. Mal im Gletscherdorf Saas-Fee statt. Über 1‘000 Startende versammelten sich an den beiden Renntagen am Start auf 3‘600 m.ü.M. Dieses Jahr konnten sich die Rennläufer mit dem Skiweltstar Silvan Zurbriggen messen.
Traumhaftes Wetter empfing Silvan Zurbriggen am heutigen Sonntag oberhalb des Drehrestaurants Allalin. Als Erster am Start, setzte Zurbriggen beim Einzel-Rennen eine beeindruckende Zeit als Massstab. In nur 4.20,91 sauste der Skiweltstar von 3‘600m hinab bis ins Zielgelände auf 1‘800m. „Das war heftig“, so Zurbriggen nach dem Rennen. Kurz vor dem Ziel hätten seine Oberschenkel so gebrannt, dass eine Abfahrtshocke kaum noch möglich gewesen sei. Kein Wunder, bedenkt man, dass Zurbriggen beim Allalin-Rennen gut 3-4 mal so lange in der Abfahrtshocke bleiben musste, als er es im Grunde bei den Weltcup-Rennen gewohnt ist. „Das ist schon eine unglaubliche Leistung, die die Teilnehmer beim Allalin-Rennen bringen. Es ist keine einfache Abfahrt“, so Zurbriggen weiter. Und dennoch oder gerade deshalb: Zurbriggen hat schon angekündigt, dass er auch im nächsten Jahr wieder dabei sein wird.
Im Vorfeld wurde gemunkelt, dass ggf. gewisse „alte Hasen“ des Allalin-Rennens, wie z.B. Markus Moser und Mathias Salzmann, Zurbriggen eventuell sogar hätten gefährlich werden können. Moser, All-Over-Sieger 2010, und Salzmann, 2. Rang 2010 All-Over, standen dann auch entsprechend konzentriert am Start. Und tatsächlich fuhren sie beim diesjährigen Rennen wieder sensationelle Zeiten. Letztendlich fehlten Salzmann (Team Los Furtos) knapp 11 Sekunden auf die Zeit von Zurbriggen. Er fuhr mit einer super Zeit von 4.31,41 durch’s Ziel und wurde damit All-Over-Sieger 2011. Moser (Team Niedersimmental) folgte Salzmann mit 4.37.57 und erreicht damit den 3. All-Over-Rang. Den zweiten Platz der Kategorie All-Over belegt Mario Teuscher (4.34,29, ebenfalls Team Niedersimmental).
Evelyne Binsack: nur noch schnell auf’s Allalin!
Und noch ein weiteres bekanntes Gesicht traf man beim diesjährigen Allalin-Rennen: Evelyne Binsack. Im vergangenen Jahr bereits das Allalin- Rennen „rückwärts“ gelaufen, d.h. vom Ziel hinauf bis zum Start, blieb sie 2011 beim Altbewährten und kam nach 2.20h Aufstieg entspannt lächelnd im Startbereich an. Auf die Frage, ob sie denn dann gleich die Allalin-Abfahrt machen würde, meinte sie nur: „Nein, noch nicht. Ich gehe jetzt erst einmal noch schnell weiter, hoch auf’s Allalin!“ Wohl bemerkt: das Gipfelkreuz des Allalin steht auf 4‘027m und die Besteigung bis dorthin ist für viele bereits vom Drehrestaurant (3‘500m) aus fast schon eine Tagestour. Doch kaum war das Rennen beendet, traf man neben den vielen hundert Teilnehmern auch Binsack schon wieder im Zielgelände – „mal eben“ am Vormittag fast 2‘250 Höhenmeter gemeistert und von
Anstrengung keine Spur. Weitere Prominenz, die heute am Start war: Urs Althaus, Vera Dillier, Franco Marvulli und Conradin Cathomen. Im Zielbereich wartete zudem noch die Country Queen Suzanne Klee.
30-jähriges Jubiläum
Im nächsten Jahr feiern die Allalin-Rennen ihr 30-jähriges Jubiläum. Dem bereits auf dieses Jahr etwas ausgebauten Rahmenprogramm sollen noch weitere Neuerungen folgen. So können sich alle bereits jetzt schon wieder auf ein aufregendes Wochenende im Rahmen der Allalin-Rennen 2012 freuen. Mit einem bunten Rahmenprogramm, viel Spannung und noch mehr Action. Die Allalin-Rennen 2012 finden am 13. & 14. April statt. Anmeldungen werden ab sofort entgegen genommen.
Weitere Informationen: www.allalin-rennen.ch.
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Tel.: 027 958 18 58
www.allalin-rennen.ch
Wenn Hobby-Biker mit 140 km/h über den Gletscher rasen
Am kommenden Wochenende werden über hundert Biker in Saas Fee im Schnee stehen, auf und ab hüpfen und auf das Startsignal warten. Dann rennen sie alle gleichzeitig los zu ihren schweren Bikes, springen auf den Sattel und rasen bergab. Vom Start auf 3500 Metern über den Allalin-Gletscher geht es rasch hinab ins Tal, mit bis zu 140 km/h, wenn es die Bedingungen zulassen.
Bis die Besten unten auf 1800 Metern im Ziel sind vergehen sieben, acht Minuten, viele haben doppelt so lange. Ob Sieger oder Letzter, Adrenalin strömt durch alle Körper. Ob jeder Teilnehmer es bis ins Ziel schafft ist fraglich. Denn das Fahren im Schnee ist tückisch und Stürze gehören dazu. Hinzu kommt der Massenstart: Das Fahrerfeld zieht es zwar auseinander, doch bis zum Ende der über acht Kilometer langen Strecke kämpfen die Biker Kopf an Kopf gegeneinander.
Kopf und Kragen riskieren
Bei einem derart extremen Rennen stellt sich die Frage, ob solche Anlässe sinnvoll sind. Was sich da zu Tal stürzt sind nur wenige Profis. Der grösste Teil der Fahrer sind Hobby-Biker. Sie riskieren Kopf und Kragen auf einer Unterlage, auf der nicht alle ihre Bikes wirklich kontrollieren können.
Braucht es also solche Events, die das Biken in den Augen mancher Skeptiker als «Extremsport für Spinner» darstellen? Ein Rennen, in dem Stürze vorprogrammiert sind und nicht jeder heil unten ankommt? Als Biker fällt mir die Antwort leicht: Ja, Downhill im Schnee hat durchaus seine Berechtigung. Es macht Spass und ist ein super (Technik-)Training im Winter.
Dem Image des Bikens schadet es nicht. Wer weiss, dass Downhill (im Sommer) eine ernstzunehmende Sportart ist, wird seine Meinung deswegen nicht ändern. Und wer die Abfahrer unter den Bikern bisher für verrückt hielt, hat den Sport bereits zuvor mit Vorurteilen belegt.
Restrisiko bleibt überall
Nicht von der Hand zu weisen ist die Unfallgefahr. Bei Tempi weit über der Grenze von 100 km/h sind Stürze keine Bagatelle. Bereits bei niedrigeren Geschwindigkeiten kann ein Fahrfehler schmerzhaft enden (siehe Film). Doch die Biker wissen sich mit Vollvisier-Helmen und Schonern zu schützen. Zudem fahren sie auf einer abgesperrten Piste. Und wie bei jeder Fahrt bergab liegt es an jedem Einzelnen, das eigene Können richtig einzuschätzen und sich im Rennen entsprechend zu verhalten. Trotzdem kommt es immer wieder zu Verletzungen.
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Harmonie am Berg
Wer im Schnee gern zu Fuß unterwegs ist, findet rund um Saas-Fee viele Pfade. Manche führen auch zu (Kultur-)Genüssen
Am Ende der Welt wird es hell! Wer als Neuankömmling aus der dunklen Halle des Busbahnhofs tritt, reibt sich unwillkürlich die Augen und blinzelt hinauf zu den glänzenden Eisgipfeln, die das Walliser Gletscherdorf wie eine weiße Mauer umgeben. Nach der kurvenreichen Fahrt durch das enge Tal der Visper ist die Ankunft im weiten Kessel von Saas-Fee eine echte Überraschung. „Man steht ganz plötzlich vor einem Anblick, wie er mir nie und nirgends begegnet ist … am Ende der Welt und zugleich an ihrem Ursprung. … ein gewaltiger silberner Rahmen, Schneegipfel in einer Anordnung von unerklärlicher Harmonie …“. So schwärmte Carl Zuckmayer (1896 bis 1977) von dem kleinen Ort am Fuß des Feegletschers, den er und seine Frau Alice 1958 zu ihrer Wahlheimat machten.
Vielleicht würde der Dichter sein geliebtes Saas-Fee, das bis heute viele Erinnerungen an ihn aufbewahrt, kaum noch wiedererkennen. Die Tradition wird zwar hochgehalten, doch der Tourismus hat auch vieles verändert. Neben alten Heustadeln aus Lärchenholz erheben sich neue Hotels, die jedoch – und das versöhnt dann auch den traditionsverliebten Gast – mit ihrer Chalet-Bauweise an den Stil der Vergangenheit anknüpfen. „Saas-Fee ist gewachsen und wohlhabend geworden, aber immer noch ein Bergdorf geblieben“, sagt David Graefen vom Verkehrsbüro.
Eine 1991 erbaute breite Brücke, die zu den Seilbahnstationen führt, stört doch ein wenig die Dorfidylle, aber der Blick in das vereiste Bett der wilden Visper und auf das Gletscherpanorama im Hintergrund ist von hier aus besonders eindrucksvoll. Als Winterwanderer bevorzugt man den Schneepfad, der neben der historischen anglikanischen Kapelle hinab zum Rand der Schlucht führt. Das kleine Hotel La Gorge ist der zünftige Treffpunkt der Kletterer, die auch im Winter an Seilen und auf Leitern im Cañon das eisige Abenteuer suchen. Es ist aber auch ein Tipp für Gourmets, die im Schweizer Wallis gern französische Leckereien genießen. Besonders romantisch speist es sich hier auch deshalb, weil man deutlich das Rauschen des Wildbachs hört.
Alt und Neu begegnen sich auch in der Dorfmitte, wo die moderne Kirche mit dem frei stehenden dreieckigen Glockenturm einen hübschen Kontrast zu den beiden ältesten Hotels aus der Gründerzeit bildet. Lieblingsunterkunft der englischen Alpenpioniere im 19. Jahrhundert war damals das luxuriöse „du Glacier“, dessen klassischer Stil an die Zeit der Belle Epoque erinnert.
Am Ende des Winterspaziergangs durch das autofreie Gletscherdorf lockt ein Besuch des ältesten Hauses von Saas Fee, in dem jetzt ein Museum mit zahlreichen Exponaten aus der Geschichte des Almdorfes untergebracht ist. Im Obergeschoss steht der Besucher unvermittelt im schlichten, aber zweckmäßig eingerichteten Arbeitszimmer von Carl Zuckmayer, der hier seinen autobiografischen Roman „Als wär’s ein Stück von mir“ geschrieben hat. Alles wirkt so, als sei der Dichter nur mal eben aus dem Raum gegangen.
Das Saastal ist zwar auf alle Arten von Wintersport eingerichtet, doch längst haben die Einwohner ihr Herz auch für Gäste entdeckt, die der Pistenrummel auf den Nordhängen des Allalin kalt lässt und die den reichlich vorhandenen Schnee gemütlich zu Fuß genießen wollen. Rund 52 Kilometer Winterwanderwege existieren rundherum, die nach jedem Schneefall neu präpariert werden. Ein Schneemannsymbol auf den gelben Wanderwegweisern zeigt an, dass diese Wege exklusiv für Winterwanderer reserviert sind, so dass man in der Regel keine gefährlichen Begegnungen mit Ski- oder Rodelfahrern befürchten muss.
Der Neuling beginnt am besten auf dem Carl-Zuckmayer-Weg eine verblüffend aussichtsreiche Höhenwanderung oberhalb von Saas Fee. Gleich hinter dem ehemaligen Wohnhaus des Dichters geht es durch den verschneiten Winterwald hinauf zum Café Alpenblick. Aus der Vogelperspektive ist der Blick auf das Dorf, die Sportarena Kalbermatten mit Natureisbahn und den winterlichen Kinderspielplatz ein optischer Leckerbissen, aber auch das Saastal und die glitzernden Eisberge auf der anderen Seite, allen voran das Weissmies und das Fletschhorn, lohnen ein Erinnerungsfoto. Der Rundweg führt zurück nach Saas Fee. Wer noch einen Abzweig nimmt, geht in einer weiteren halben Stunde hinauf zum Aussichtsberg Hannig, wo eine Gaststätte Erfrischungen und die Seilbahn eine bequeme Rückfahrt bietet.
Für Winterwanderfreunde hält Saas Fee ein seltenes Erlebnis bereit: Eine leichte Hochgebirgswanderung auf 3000 Meter Höhe, für die man nicht einmal einen Bergführer benötigt, führt in eine grandiose Gletscherlandschaft. Der breite Panoramaweg beginnt am Felskinn (Seilbahnstation), das wie ein Turm aus den gewaltigen Eisblöcken des Feegletschers herausragt. Nur tausend Meter höher glänzt die Eiskuppel des Allalinhorns in der Sonne oder schaut malerisch aus den Gipfelwolken hervor.
Hoch über dem Saastal wandert man in knapp einer Stunde über den Chessjengletscher zur Britanniahütte, auf deren Aussichtsterrasse sich Winterwanderer, Schneeschuhläufer und Nordic Walker mit heißen oder kalten Getränken oder einem kräftigen Bergsteigeressen für den Rückweg stärken. Höhepunkt ist ein Abstecher von 20 Minuten hinauf auf den „Kleinen Allalin“ (3030 Meter) mit toller Aussicht auf die verschneiten Bergriesen ringsum. Viele Neulinge nutzen diese Möglichkeit, um ihren ersten „Dreitausender“ zu besteigen. „Wir prahlen ja nicht gern mit Rekorden, aber dieser Weg dürfte wohl einer der höchsten Winterwanderwege Europas sein“, meint Daniel Graefen. „Auf jeden Fall ist es einer der schönsten und zugleich bequemsten.“ Beim einstündigen Rückweg über das Egginerjoch faszinieren die Spitzen von Täschhorn, Dom und Nadelhorn, „... eine Kette gotischer Kathedralentürme ...“, wie Carl Zuckmayer voller Begeisterung schrieb.
Auf sportliche Wanderer mit guter Kondition und entsprechender Ausrüstung wartet am Mittelallalin der Aufstieg auf einen Viertausender, unter fachkundiger Führung natürlich. Weniger aktive Gäste genießen im höchsten Drehrestaurant der Welt (3500 Meter) den Panoramablick auf die Südalpen. Und für Romantiker und Feinschmecker gibt es noch einen besonderen Leckerbissen: Ein abendlicher Winterspaziergang auf dem beleuchteten Weg hinauf zu Hohneggs Fonduehütte wird getoppt von einem köstlichen Menü hoch über Saas-Fee.
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Pionierinnen auf den Gipfeln
Patricia Purtschert lässt dreizehn betagte Bergsteigerinnen zu Wort kommen.Von Bettina Dyttrich
Ich war verheiratet und hatte drei Töchter, so weit war alles in Ordnung. Aber innerlich fehlte mir etwas», erzählt Ruth Steinmann-Hess. Aus Neugier begleitete sie Anfang der sechziger Jahre mit 27 Jahren Freunde auf einen Viertausender. Gut fünfzehn Jahre später nahm sie an einer Himalajaexpedition auf den Lhotse (8516 Meter) teil. Sie hatte gefunden, was sie suchte: im Bergsteigen.
Die Leidenschaft für die Berge verbindet die dreizehn Frauen, die die Philosophin und Bergsteigerin Patricia Purtschert im Buch «Früh los» zu Wort kommen lässt. Sie standen zu einer Zeit auf den Gipfeln, als das für Frauen noch als ungehörig galt: Die Älteste der Porträtierten ist 1908 geboren, die Jüngste 1938. Die Bekannteste, Yvette Vaucher, hätte fast als erste Frau den Mount Everest bestiegen. Andere wurden Tourenleiterinnen, wieder anderen war der Genuss wichtiger als der Ehrgeiz .
Illustriert ist das schön gestaltete Buch mit Fotos aus Privatalben und Porträts von Véronique Hoegger. Sie unterstreichen die Unterschiedlichkeit der Frauen: Die eine lässt sich bodenständig im Wollpullover vor einer Holzbeige, die andere elegant mit Bluse im bürgerlichen Wohnzimmer ablichten.
Das Bergführerinnenverbot
Wie behaupteten sich diese Frauen in der Männerwelt des Alpinismus? Dieses Thema zieht sich durch das ganze Buch. Fast alle berichten, wie sie in den Bergen gut gemeinte «Hilfsangebote» zurückweisen und um den ersten Platz in der Seilschaft kämpfen mussten. Viele Männer hätten schreckliche Angst gehabt, «dass es Frauen geben könnte, die besser seien als sie», erinnert sich etwa die Ökonomieprofessorin Heidi Schelbert.
1907 hatte der Schweizer Alpenclub (SAC) die Frauen ausgeschlossen. Auch Bergführerinnen durften sie nicht werden: Dazu musste man militärdiensttauglich sein. Heidi Schelbert absolvierte extra den Frauenhilfsdienst, um diese Hürde zu umgehen – nur um zu erfahren, dass das nicht genüge. Kein Wunder, schätzten viele Frauen ihre eigene Organisation, den 1918 gegründeten Schweizer Frauen-Alpenclub (SFAC). Sie sammelten darin Erfahrungen, die ihnen Selbstvertrauen gaben. So erinnert sich die Schwyzerin Pauline Lumpert, wie ihre Sektion ganz allein die Delegiertenversammlung des SFAC organisierte – statt wie geplant einen Mann zu Rate zu ziehen.
Was die Touren angeht, standen die porträtierten Frauen ihren männlichen Kollegen in nichts nach: Sie erkundeten die Alpen vom Montblanc bis zum Piz Palü, viele wagten sich auch in den Kaukasus, den Himalaja und nach Patagonien.
Aber «Früh los» ist nicht nur ein Buch für AlpinistInnen, sondern vor allem ein eindrückliches Stück Schweizer Frauengeschichte. Zu den spannendsten Porträtierten gehören die Jüngste und die Älteste: Die Baslerin Charlotte Godel, zur Zeit des Gesprächs hundert Jahre alt, wird sehr deutlich, wenn sie von ihrem Aufwachsen als uneheliches Kind erzählt: «Ich habe keine nette Zeit erlebt mit den sogenannten ehrbaren Töchtern und Menschen. (…) Man war früher nicht nur bigott, man war vaterländisch dumm.»
Die Jüngste, die Geologin Silvia Metzeltin, deren deutsch-österreichische Eltern im Zweiten Weltkrieg im Tessin strandeten, berichtet von einem unkonventionellen Leben zwischen den Kulturen: Mit ihrem Mann, einem Italiener, beschloss sie, das Bergsteigen zum Beruf zu machen. Mit dem Schreiben von Kletterführern schlugen sich die beiden durch, lebten zeitweise in Argentinien. Nördlich des Gotthards fühlte sich Metzeltin dagegen nicht willkommen: «Wenn mein Mann italienisch sprach, wurde es schwierig. Und wenn ich hochdeutsch sprach, ging es erst recht nicht. In der Nacht bevor wir den Biancograt bestiegen haben, schliefen wir draussen. Wir durften nicht in der Tschiervahütte übernachten. Der damalige Hüttenwart wollte von Italienern und Deutschen nichts wissen.»
«Vermännlichte» Frauen
Auch der Bericht von Erika Bumann aus Saas Fee ist sehr interessant. Sie schildert den Alltag im Kurort Mitte des 20. Jahrhunderts: wo das halbe Dorf hoch motiviert Englisch lernte, um sich mit den TouristInnen unterhalten zu können – und zugleich Wirte und Bergführer alle auch Kleinbauern waren, weil es noch kaum Wintertourismus gab. Bumann stand als Tochter eines Bergführers schon vor ihrem zehnten Geburtstag auf dem Allalinhorn (4027 Meter), mit dreizehn war sie an der Mischabelkette unterwegs. Trotzdem konnte auch sie nicht Bergführerin werden: Sie führte mit ihrem Mann ein Hotel, hatte sieben Kinder und war «zwanzig Jahre lang sozusagen eingesperrt». Aber mit sechzig stieg sie schliesslich doch noch aufs Matterhorn.
Im Nachwort zeichnet Patricia Purtschert die Geschichte der bergsteigenden Frauen seit dem 18. Jahrhundert nach und geht auf die Bilder ein, die die Medien von ihnen herstellten: Oft wurde die Gefahr einer «Vermännlichung» heraufbeschworen. Wenn eine Bergsteigerin wie Yvette Vaucher diesem Klischee nicht entsprach, reagierten die Journalisten mit «Verwunderung und Erleichterung».
Die Begeisterung für die Berge gibt vielen Frauen auch noch Energie, wenn ihre körperlichen Kräfte nachlassen. Die hundertjährige Charlotte Godel kann schon lange nicht mehr bergsteigen, aber sie liebt es, die Berge einfach anzuschauen: «Es ist ein wunderbares Gefühl, zu wissen, dass das kein Mensch gemacht hat.»
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Gewinner der Style Session 2011
100 Fahrer aus der ganzen Schweiz stellten ihre Fähigkeiten unter Beweis. Ob Amateur oder Pro, Jung oder Alt, alle hatten eine Riesenmenge Spass. Als die besten Stylemasters ging die N.E.R.D.S Crew vor der White-elements Crew hervor.
Dieses Wochenende fand unter blauem Himmel und strahlender Sonne die 8. Style Session im schneesichere Snowpark Morenia statt. Die 32 Crews, angereist aus der ganzen Schweiz, waren bereit zu zeigen, was sie als Team auf dem Kasten haben. Gefahren wurde in einer Gruppe von drei bis fünf Riders. Ziel bei der Style Session war es, den Park so stylisch und kreativ wie möglich als Crew zu jibben. Das Niveau war hoch und die Fahrer pushten sich gegenseitig bis ans Limit. Dies auch zur Freude der zahlreich erschienen Zuschauer, die das Spektakel verfolgten.
32 Crews kämpften um die 16 begehrten Finalplätze am Sonntag
Am ersten Tag der Style Session kämpften die Freeskier und Snowboarder um den Einzug ins Finale. In einer Jamsession stellten die Crews ihre Fähigkeiten unter Beweis. Sie wühlten mächtig in ihren Trickkisten und packten unter anderem stylische Backside 180’s und Rodeo 900’s aus. Bereits gekürt wurde am Samstag das beste Chick Isa Derungs. Sie überzeugte mit ihren Rodeos und smoothen 360 über den grossen Kicker. „Alle können mitfahren, Freeskier, Snowboarder, Frauen und Männer. Diese Mischung und die entspannte Atmosphäre machen den Event zu einem Highlight“, meint Isa nach ihrem Sieg. Sie gewann ein Swisscom Handy HTC Desire hd. Als beste Rookie Crew kristallisierte sich das Team G.A.Y. heraus. Sie gewannen von Völkl einen 3000.- Gutschein. „Es hat total viel Spass gemacht, einmal mit den Kollegen zusammen und nicht gegen sie zu fahren“, meinte der erst 14 jährige Crew-Captain Sandro Tscherrig zur Style Session.
Stylen auf höchstem Niveau
Im Finale am Sonntag kämpften die 16 aus der Qualifikation erkorenen Crews um die Podestplätze. Die Fahrer waren motiviert und gaben noch einmal Vollgas. Von Run zu Run wurde das Level hochgeschraubt. Am meisten überzeugen konnte die N.E.R.D.S Crew mit Janne van Enckevort, Ashee Burri, Yannic Lerjen, Alessandro Jossen und Nathan Taugwalder. Sie zeigten smoothe 540’s, stylische Switch 720’s und Switch Backflips mit Superman. „Der Event ist ein cooler Saisonabschluss. Man hat hier noch einmal die Möglichkeit, neue Sachen auszuprobieren. Dies natürlich auch, weil man nicht unter Druck steht irgendwelche Punkte einer Gesamttour zu sammeln“, meint Janne zu der Style Session
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